Geschnitzte Krippen-Diorama, Touristenschnappschuss, 1960er Jahre — Archive & Atlas
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Geschnitzte Krippen-Diorama, Touristenschnappschuss, 1960er Jahre — Archive & Atlas

Unattributed 1960–1969

AA-2026-304143

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On the image

Jemand stand in den 1960er Jahren in einer düsteren Kapelle oder einem Andenkenladen, richtete eine Boxkamera auf eine Glasvitrine und drückte mit vollster Überzeugung auf den Auslöser, dass das Bild gelangen würde. In der Vitrine saß ein handgeschnitztes hölzernes Tableau, die Art andächtiger Volkskunst-Dioramen, deren Fertigstellung einen anonymen Schnitzer ein oder zwei Winter gekostet hatte: winzige Figuren unter einem Arkadendach, eine Prozession von Tieren, die in Holzmaserungsprofil vorbeifilierten, das ganze Miniatur-Dorf von einer einzelnen Glühbirne beleuchtet, die ihr Bestes gab, göttliches Licht nachzuahmen.

Der Fehler des Fotografen war für die Zeit universal. Kameras, die für sonnige Urlaubsfotos gebaut waren, wurden ohne Zögern auf schwaches Licht hinter Glas gerichtet – nach der Theorie, dass der Film dasselbe sehen würde wie das menschliche Auge. Das funktionierte nicht, und das Blitzlicht ließ einen blauen Schmier zurück, wo eine Figur hätte sein sollen – ein Beweis dafür, dass das Vertrauen in die eigene Ausrüstung oft ihre tatsächlichen Fähigkeiten überstieg.

Was erhalten bleibt, ist nicht die Schnitzerei, sondern der gescheiterte Versuch, sie festzuhalten – ein eigenes Zeitdokument. Jede Wegkapelle und jeder Wallfahrtsort aus diesem Jahrzehnt hat eine dieser Aufnahmen in irgendeines Schuhkartons: eine verschwommene Hommage an Handwerkskunst, aufgenommen von einem Touristen, der bereits ans Mittagessen dachte.

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