Schuljungen neben einer Kennedy-Gedenkplakette, West-Berlin, 1960er Jahre — Archive & Atlas
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West Berlin, Germany

Schuljungen neben einer Kennedy-Gedenkplakette, West-Berlin, 1960er Jahre — Archive & Atlas

Unattributed 1960–1969

AA-2026-DF2B12

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On the image

Die Jungen sind auf der Treppe in der klassischen Anordnung eines Schulausflugfotos positioniert: die Größten hinten, die mit Brille in den mittleren Reihen, und mindestens ein Kind in roten Hosen, das offenbar nicht zur Kleiderwahl befragt wurde. Hinter ihnen schaut eine Bronzerelief-Darstellung von John F. Kennedy von einer steinernen Plakette auf das Geschehen herab – und erfüllt damit die Aufgabe, die Denkmäler nun einmal erfüllen: feierlich über Ereignisse zu wachen, zu denen sie nie eingeladen waren.

Niemand in den vorderen Reihen schaut auf die Plakette. Sie schauen in die Kamera, denn für einen zwölfjährigen Jungen im kastanienbraunen Mantel wiegt ein Klassenfoto schwerer als ein Stück Kalte-Kriegs-Bürgererinnerung, das hinter ihm an der Wand befestigt ist. Der Lehrer hinten, Strickjacke zugeknöpft, Brille auf der Nase, hat die typische müde Körperhaltung eines Mannes, der diese Köpfe seit dem Frühstück bereits elfmal gezählt hat.

Irgendwo in West-Berlin in den Jahren nach 1963 errichtete eine Stadt, die um einen Präsidenten trauerte, den sie sich kurzzeitig als eigenen angeeignet hatte, ein Denkmal, und eine Schule arrangierte bei ihrem jährlichen Ausflug die Gruppenaufnahme einfach davor – weil die Stufen breit waren und das Licht gut war.

The historian's note

Die gezeigte Plakette würdigt Präsident John F. Kennedy, dessen Besuch in Berlin im Juni 1963 und seine Solidaritätserklärung mit der Stadt ihn, wenn auch nur kurzzeitig, ebenso zu einem lokalen Helden machten wie zu einem amerikanischen Staatsmann. Nach seiner Ermordung im November desselben Jahres errichteten West-Berliner Behörden und Bürgerinitiativen Denkmäler und benannten öffentliche Plätze nach ihm – eine Welle von Ehrungen, die sich bis in die Mitte der 1960er Jahre fortsetzte.

Schulausflüge zu solchen Orten wurden in diesem Zeitraum zu einem Routineteil der Bürgererziehung in West-Deutschland, wobei eine Geschichtsstunde zur jüngsten politischen Vergangenheit mit einem gewöhnlichen Gruppenausflug verknüpft wurde. Die bunte, ungezwungene Kleidung der Jungen ist typisch für West-Deutsche Schulkleidung der 1960er Jahre – einer Zeit vor Schuluniformen und vor der einheitlicheren Freizeitkleidung späterer Jahrzehnte.

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