Puschkins Lukomorje-Skulptur, sowjetischer Park, 1960er Jahre — Archive & Atlas
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Soviet public park, likely USSR

Puschkins Lukomorje-Skulptur, sowjetischer Park, 1960er Jahre — Archive & Atlas

Unattributed 1960–1969

AA-2026-8A127B

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On the image

Der bronzene Baum im Blumenbeet ist keine Dekoration, sondern Hausaufgabe. Jedes sowjetische Kind konnte die einleitenden Zeilen von Puschkins "Ruslan und Ludmila" auswendig, das Gedicht von der grünen Eiche am geschwungenen Ufer, wo eine gelehrte Katze an goldener Kette umhergeht, und irgendjemand im Parkministerium entschied, dass der Vers eine dauerhafte Illustration aus Metall verdiene, umringt von Ringelblumen und gemähtem Rasen.

Dahinter steht eine Reihe von Nationalflaggen in Paradehaltung am Wasser, jene Geste, die ein Park macht, wenn er den Besuchern das Gefühl vermitteln will, an etwas Größerem als einem Nachmittagsausflug teilzunehmen. Zwei Frauen in Weiß im Vordergrund tragen ihre Handtaschen wie Ausweise und schlendern an der Skulptur vorbei mit der gelassenen Zuversicht von Menschen, die annehmen, dass der Garten, die Flaggen und das Märchen auch am nächsten Sonntag noch da sein werden.

Ein Reisebus steht nahe der hinteren Baumreihe im Leerlauf, nachdem er seine Fracht an Schaulustigen abgeliefert hat, damit diese die Vorstellung eines sozialistischen Staates von einem Märchenhain bewundern können, Flaggen inklusive, genau so lange, wie der Zeitplan es erlaubte.

The historian's note

Die Skulpturengruppe gibt die Eröffnungsszene von Alexander Puschkins Versepos "Ruslan und Ludmila" (1820) wieder, gemeinhin nach seiner ersten Zeile als "Lukomorje"-Tableau bekannt: die grüne Eiche, die angekettete gelehrte Katze, die Meerjungfrau in den Ästen. Solche literarischen Skulpturengruppen wurden von den 1950er bis in die 1970er Jahre in zahlreichen sowjetischen Stadtparks aufgestellt, im Rahmen eines umfassenderen Programms, kanonische russische Literatur in den öffentlichen Alltagsraum einzubetten, insbesondere in Räumen, die für Kinder und Familien gedacht waren.

Die Reihe von Nationalflaggen entlang des Teichs deutet darauf hin, dass der Ort für eine internationale Zusammenkunft, Ausstellung oder ein Festival genutzt wurde, ein häufiges Merkmal größerer sowjetischer Parks und Ausstellungsgelände in den 1960er Jahren, als solche Orte regelmäßig Delegationen, Jugendfestivals oder Handels- und Kulturausstellungen verbündeter und blockfreier Staaten beherbergten.

Die Kombination aus formalen Blumenbeeten, literarischen Statuen und Flaggenalleen spiegelt den Umgang der Epoche mit ziviler Freizeitgestaltung wider: Parks wurden zugleich als Orte der Erholung und als Instrumente kultureller und ideologischer Bildung konzipiert.

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