Frau, Pudel und Relaxsessel in einem Wohnzimmer der 1960er Jahre — Archive & Atlas
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Frau, Pudel und Relaxsessel in einem Wohnzimmer der 1960er Jahre — Archive & Atlas

Unattributed 1960–1969

AA-2026-ABF8F6

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On the image

Sie wurde mitten im Satz erwischt, die Zigarette wie Satzzeichen zwischen zwei Fingern balanciert, in genau jenem Relaxsessel, den Möbelgeschäfte der Epoche als Revolution des amerikanischen Abends priesen. Der Sessel selbst, mit blondem Holzgestell und einer Sitzfläche in der Farbe von schwachem Tee, wurde mit der Idee verkauft, dass man endlich ohne Anstrengung sitzen könne – eine Idee, deren Bewerbung erhebliche Anstrengung erforderte.

Der Pudel neben ihr hat die Haltung eines kleinen Würdenträgers angenommen, der auf seine Vorstellung wartet, eine Pfote bereits auf der Armlehne positioniert, als würde er Anspruch auf den guten Platz erheben. Dahinter verrichtet der Beistelltisch die stille Arbeit des Datierens: ein Lautsprecher mit Weberfront, eine gedrungene Keramikvase, ein Stapel Magazine, der Jahrzehnte später recycelt wird, lange bevor jemand auf die Idee kommt, sie vintage zu nennen, und auf dem Regal darüber ein Spielzeugflugzeug, das von einem Kind oder dem Ehemann mitten im Flug geparkt wurde.

In der Wohnzimmerfotografie der 1960er Jahre konnte sich nie jemand ganz einigen, ob es um die Person oder den Raum ging, und dieses Bild löst das Dilemma auch nicht auf. Sie blickt auf etwas außerhalb des Bildausschnitts und gestikuliert eine Geschichte, die die Kamera nie zu Ende erzählen wird, während der Sessel, der Hund und das Hi-Fi-Möbel um sie herum die eigentliche Arbeit der Epoche verrichten: zu beweisen, dass der Haushalt angekommen ist.

The historian's note

Relaxsessel für den Massenmarkt, verkauft als Symbole des Nachkriegs-Wohnkomforts, wurden in den 1950er und 1960er Jahren zur Standardausstattung amerikanischer Wohnzimmer, oft kombiniert mit passenden Beistelltischen und freistehenden Hi-Fi-Konsolen wie dem hier sichtbaren Weberfont-Lautsprecherschrank. Solche Konsolen vereinten Radio- und Schallplattengeräte in einem Möbelstück und wurden als Unterhaltungstechnologie und Dekoration zugleich vermarktet.

Die informelle Wohnzimmerabfotografie dieser Art, die ein Familienmitglied entspannt mit einem Haustier in einem gewöhnlichen Wohnzimmer zeigte, wurde zunehmend häufiger, als die Diasammelfotografie in dieser Dekade durch die Mittelschicht verbreiteter wurde, angetrieben durch günstigen Farbfilm und erschwingliche Kameras. Diese Bilder wurden kaum für jemanden außerhalb des Haushalts arrangiert, weshalb sie nun zuverlässige, unstadienhafte Aufzeichnungen alltäglicher Wohnräume des mittleren Jahrhunderts darstellen.

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